VCD-Pressemitteilung vom 19-03-1998
Im Rahmen einer Informationsveranstalltung des heimischen CDU Politikers P. Breuer sollten erste Zwischenergebnisse der Machbarkeitsstudie zur A4 vorgestellt werden. Mitarbeiter der beauftragten Planungsbüros sollten diese Zwischenergebnisse übermitteln.
Die Veranstaltung sollte Informationscharakter haben, erinnerte aber wegen eines großen Posters neben dem Podium mit der Aufschrift 'Ja zum Lückenschluss A4' eher an eine Werbeveranstaltung für die A4. Die Ansprache von P. Breuer war ebenso zu verstehen. Versammlungsort war das Haus Wittgenstein in Erntebrück.
Zunächst erläuterte Gutachter Dr. Stöcker vom Büro STEIERWALD, welches die Machbarkeitsstudie (Mbs) durchführen soll, Vorgehen, Methode und Ablauf der Mbs.
Er erläuterte den Planungsraum, der im Norden durch die A44 (Dormund-Kassel) und im Süden durch die A5 (Giessen-Bad Hersfeld) begrenzt ist. Innerhalb dieses Planungsraumes gelte es einen geeigneten Korridor für die weiterzubauende A4 zu finden.
Er wies darauf hin, daß in diesem Gebiet aus planerischer Sicht unterschiedliche Raumwiderstandszonen gebe, die bei der Trassierung der A4 zu berücksichtigen seien.
Diese Zonen wurden insbesondere im Westfälischen Teil dem Weiterbau der A4 nahezu unüberwindliche Schwierigkeiten bereiten. So sei im Bereich des Rothaarkammes im Prinzip nur eine Tunnellösung möglich, die natürlich sehr kostspielig sei. Bedingt durch die topografischen Gegebenheiten müßte auch mit Geschwindigkeitsbeschränkungen auf dieser Autobahn gerechnet werden.
Als nächstes erläuterte Dr. Jansen von der Fa. PLANCO die Auswirkungen der A4 auf die regionale Wirtschaftsstruktur unter Berücksichtigung der Raumstruktur und Planung der Raumordnung.
Er verwies darauf, daß nach seinen Untersuchungen insbesondere im Dienstleistungsbereich in dieser Region auch ohne die A4 eine deutliche Zunahme bis zum Jahr 2010 zu erwarten wäre. Auch die Zahl der Feriengäste würde bis dahin leicht ansteigen. Der Bau der A4 könnte zwar einerseits die Erreichbarkeit der Region verbessern, anderseits aber auch ihren Erholungswert gefährten.
Auch der Pendlerverkehr aus der Region heraus, das heißt Abwanderung der Arbeitskräfte in Nachbarregioen, würde erfahrungsgemäß zunehmen, wodurch dem Einzelhandel auch Kaufkraft verloren ginge.
Bezüglich der Schaffung neuer Arbeitsplätze durch den Weiterbau der A4 gab er an, daß nach den Untersuchungen entlang anderer Autobahnen, mit etwa 8 neuen Arbeitsplätzen je Autobahnkilometer zu rechnen sei. Das würde bedeuten, daß entlang des westfälischen Teiles der A4 (ca. 35 km lang) mit etwa 280 neuen Arbeitsplätzen zu rechnen wäre. Die Baukosten für jeden Autobahnkilometer könnten mit etwa 20 Mio. DM angenommen werden.
Nach einer Bemerkung von Stadtdirektor Bell (Hilchenbach), sollte man dann doch das Geld sinnvoller zur Schaffung von Arbeitsplätzen bzw. zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes einsetzen.
Abschließend erklärte Herr Ass. Höhne (IHK Siegen) daß einer Umfrage zufolge von 870 Betrieben im Raum Siegerland/Wittgenstein eine große Anzahl (ca 350) den Weiterbau der A4 forderten, weil sich dadurch ihre Standortbedingungen verbesserten. Genaue Angaben über Art und Weise dieser Umfrage machte er nicht. Er selbst sehe in der A4 eine Stabilisierung des Wirtschaftsraumes.
In einer abschließenden Diskussion wiesen Vertreter von VCD, Umweltverbänden und Bürgerinitiativen auf die Wichtigkeit hin, daß die Untersuchungen zur Machbarkeitsstudie A4 objektiv und unbeeinflußt durchgeführt werden, und daß sie nicht vom Willen der Politiker und Wirtschaftsverbände geprägt werden dürfe, die den Weiterbau der A4 unbedingt wollen.
Text von Dieter Gebauer, e-mail: Dieter Gebauer
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