Das Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr teilt mit: Der forcierte Ausbau des Bus- und Bahnangebotes in Nordrhein-Westfalen trägt Früchte. In vielen Landesteilen steht ein als gut eingeschätztes Nahverkehrsangebot zur Verfügung. Was mitunter zur Nutzung fehlt, ist ein gewisser Kick, es selbst einmal mit Bus und Bahn zu versuchen - zum Beispiel im Berufsverkehr oder beim Einkaufen. Diesen Kick hatte im vergangenen Jahr ein Großversuch zur Mobilität in NRW ausgelöst, der mit Unterstützung des Landes im vergangenen Jahr vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club NRW (ADFC NRW), von der Verbraucher Zentrale NRW, vom Verkehrsclub Deutschland NRW (VCD NRW), vom Verbund selbstverwalteter Fahrradbetriebe, Pro Bahn NRW, European Car-Sharing und unter Beteiligung des Ökofonds von Bündnis 90 / Die Grünen organisiert worden war. Das Wuppertal-Institut hat die Kampagne im Auftrag des Verkehrsministeriums wissenschaftlich begleitet und hat jetzt die Ergebnisse des Versuchs vorgelegt. Die Auswertung beruht auf einer zweistufigen Befragung (gefragt wurde vor Kampagnestart und am Ende), an der sich 712 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligt hatten. Ergänzend sind von einer Gruppe von 69 Teilnehmern Mobilitätstagebücher ausgewertet worden. Minister Peer Steinbrück: "Unser Bedarfsplan für den Ausbau des Bus- und Bahnangebotes sieht für die nächsten Jahre Investitionen von rund 20 Milliarden Mark vor und wir verhandeln mit der Bahn und den Nahverkehrs-Zweckverbänden über ein bequemes, einfaches und preiswertes NRW-Ticket. Beides ist - das zeigt der Versuch - wichtig für einen attraktiven Nahverkehr. Neue Kunden gewinnt man mit einem überzeugenden Angebot. Dabei sind wir voran gekommen, aber es bleibt viel zu tun." Mit der Kampagne "Umdenken, Umsteigen - Neue Mobilität in NRW" wurden Autofahrer in Nordrhein-Westfalen aufgerufen, in der Zeit vom 1. Juni bis zum 30. September 1998 ihr Auto für 100 Tage, 10 Tage oder 10 Wochenenden stehen zu lassen und andere Mobilitätsmöglichkeiten auszuprobieren. Die 100-Tage-Teilnehmer konnten als Anreiz ein NRW-weit gültiges Nahverkehrsticket zum Sonderpreis von 99 Mark für 100 Tage erwerben. Die Verkehrsverbünde, Zweckverbände und die Deutsche Bahn hatten 1000 solcher preisreduzierten Tickets zur Verfügung gestellt. 1.669 Personen hatten sich schriftlich zur Kampagne angemeldet, rund 1.300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben teilgenommen. Die Ergebnisse des Versuchs basieren damit auf insgesamt rund 110.000 Tagen ohne Autonutzung. Die Mehrzahl der Teilnehmer waren Berufspendler, die das Auto auch für den täglichen Weg zur Arbeit einsetzen. Einen Teilnahme-Schwerpunkt gab es in den mittleren Altersgruppen (30 bis unter 60 Jahre). Mit einem Anteil von 59 Prozent waren Männer etwas stärker beteiligt als Frauen.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr, Tel. 0211/837 2473 oder 2503.Nach der wissenschaftlichen Auswertung des Wuppertal Instituts macht der Versuch ein großes Umsteigepotential in der Bevölkerung sichtbar. Bei den Teilnehmern zeigt sich der Wunsch, autounabhängige Mobilität stärker zu entwickeln. Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer bewerteten die Kampagne als persönlichen Gewinn: Sie sind mit ihrem eigenen Mobilitätsverhalten während der Kampagne zufrieden. Für viele war die Kampagne ein Anstoß, Alternativen zum Auto einmal zu testen.
Insgesamt 88 Prozent haben 5 bis 7 Tage in der Woche autofrei organisiert. Dabei nutzte mehr als die Hälfte an 3 bis 7 Tagen pro Woche ein öffentliches Verkehrsmittel. Das Fahrrad wurde von etwas weniger als der Hälfte in dieser Häufigkeit benutzt.
Der Umstieg auf Busse und Bahnen hat für die meisten Teilnehmer keine Enttäuschungen bewirkt. Im Gegenteil zeigen die positiven Bewertungen in der Befragung, daß der Umstieg machbar ist . Schlechte Bewertungen gab es aber für die Fahrtakte des Öffentlichen Verkehrs abends und an den Wochenenden sowie bezogen auf den Radverkehr für die Radabstellmöglichkeiten.
Fast zwei Drittel der Befragten haben die Absicht, demnächst eine Zeitkarte des Verkehrsverbunds anzuschaffen (63 Prozent). Hier zeigt sich ein großes Potential an neuen Dauerkunden für die Verkehrsverbünde, das mit entsprechenden Angeboten zu gewinnen ist. Immerhin 15 Prozent beabsichtigen, künftig Stammkunde bei der Bahn zu werden und planen die Anschaffung einer Bahncard.
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