Kreuztal. Die etwas andere Location hatte der Kreisverband Siegen-Wittgenstein des Verkehrsclub Deutschland (VCD) für die Vergabe seines dritten "Verkehrspreises" ausgewählt: In einer Sonderfahrt im Gelenkbus nutzte der Vorsitzende Achim Walder die Gelegenheit, um der Stadt Kreuztal, vertreten durch ihren Bürgermeister Rudolf Biermann, die "Auszeichnung für Verbesserungen im ÖPNV, besonders für den behindertengerechten Um- und Ausbau der Haltestellen" zu überreichen. Spender, Geber und Gäste waren mit unterwegs bei der Fahrt von der Kreuztaler Sparkasse aus zu einer entsprechend umgerüsteten Haltestelle in Littfeld.
"Die
Stadt hat wirklich einen sehr guten Willen gezeigt. Uns war es bei
der Preisvergabe wichtig, dass jemand ausgezeichnet wird, der zu solchen
Maßnahmen nicht verpflichtet ist. Unter den zehn, 15 Vorschlägen
haben wir uns deshalb für die Stadt Kreuztal entschieden", erklärte
der VCD-Vorsitzender und überreichte an der Haltestelle Littfeld
Ort die Urkunde und ein Gleisstück mit entsprechender Gravur
an den Bürgermeister. Den Bus fuhr zur Feier des Tages Gerhard
Bettermann, der
stellvertretende Betriebsleiter der VWS. Mittlerweile, so erklärte
der erfreute Bürgermeister bei der Preisverleihung, gebe es im
Stadtgebiet Kreuztal in jedem Stadtteil mindestens eine Haltestelle
an den Bundesstraßen, die in den vergangenen Monaten umgerüstet
wurde. Es sind derzeit rund 20, optimales Fernziel sind natürlich
alle Haltestellen. Für die Stadt ist der Umbau für die Ansprüche
behinderter ÖPNV-Nutzer mit Fahrbahnhaltestellen, Fahrbahnmarkierungen
und dergleichen mehr
keine direkte Belastung, sind doch rund 90 Prozent der Kosten durch
ein Landesprogramm gedeckt, der Rest kommt vom Kreis. Die genannten
Haltestellen sind außerdem mit Bügeln an den Sitzen, ähnlich
Armlehnen, ausgerüstet, die gehbehinderten Fahrgästen das
Platznehmen und Aufstehen erleichtern. Dieser Bügel ist eine
Konstruktion von Hans-Henning Herkelmann, einem Kreuztaler
Bauamtsmitarbeiter. Mit 18 Zentimeter hohem Bordstein bilden die Fahrbahnkanten
("Basa-Drive") beim Einstieg in die Niederflurbusse auch für
Kinderwagen kein Hindernis mehr, auch Rollstuhlfahrer können
via Rampe bequem in den Bus gelangen.
Thomas Reincke, der stellv. VCD-Kreisvorsitzende, erläuterte noch einen weiteren Vorteil: Die gängigen Busbuchten verschlingen rund 70 Meter Platz, während die Fahrbahn-Stops mit nur 18 Metern Fahrbahnlänge auskommen. Den Bedenken hinsichtlich des Verkehrsflusses trat entschieden Dr. Heinz Schaldach vom VWS-Vorstand entgegen, der sich an der Preisverleihungs-Fahrt ebenfalls beteiligte.
Die durchschnittliche Verweildauer eines Busses am Halt liege laut entsprechendem Gutachten bei durchschnittliche 20 Sekunden. Das erfordere aber weniger Zeit und sei vor allem ungefährlicher als das Aus- und Einfädeln vom Fließverkehr in oder aus der Busbucht. Auch Dr. Schaldach begrüßte die Entscheidung, der Stadt Kreuztal den Verkehrspreis zuzuerkennen, denn es sei sehr zu loben, dass die Kommune den Empfehlungen und Wünschen der VWS in ihrer Infrastrukturpolitik derart entgegen- komme und solch beispielhaftes Engagement für die behinderten Mitmenschen zeige. Mit an Bord der Sonderfahrt waren auch Rollstuhlfahrerin Margot Schneider und der blinde Fritz Schutz, der den VCD in seinem Wirken berät. "Was die Stadt Kreuztal hier gemacht hat, ist schon vorbildlich. Gucken Sie sich beispielsweise Hilchenbach oder Siegen an. Da gibt es nach meinem Kenntnisstand im ganzen Stadtgebiet keine Markierungen an den Haltestellen", kommentierte Schutz.
sib
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