PM 9-8-2006
Nachdem die Bundesmittel, die den Ländern
zweckgebunden für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zur
Verfügung gestellt werden, für den Zeitraum 2006 bis 2009
um insgesamt 2,3 Mrd. EUR gekürzt wurden, haben mehrere Bundesländer,
darunter das benachbarte Hessen, sich bereit erklärt, die Kürzungen
zumindest teilweise durch allgemeine Haushaltsmittel auszugleichen.
Da den Ländern ab 2007 zusätzliche Mittel aus dem erhöhten
Umsatzsteueraufkommen zufließen, die ein Mehrfaches der gekürzten
Regionalisierungsmittel ausmachen, ist dies auch problemlos möglich.
Zwar hat NRW-Verkehrsminister Wittke kürzlich angekündigt,
den Ausbau regionaler Bahnlinien aussetzen zu wollen, unklar ist
jedoch, welchen Weg das Land hinsichtlich der laufenden Betriebskostenzuschüsse
gehen wird. Der VCD-Kreisverband Siegen-Wittgenstein weist darauf
hin, dass diese Zuschüsse zum großen Teil über Netznutzungsentgelte
an die bundeseigene Deutsche Bahn AG fließen, die damit Betrieb
und Unterhaltung der Schieneninfrastruktur finanziert. So werden
beispielsweise für die Triebwagenfahrten auf der Rothaarbahn
zwischen Kreuztal und Bad Berleburg rd. 2,4 Mio. EUR pro Jahr gezahlt.
Im Vergleich dazu erbringen die Güterzüge, mit denen die
Industriebetriebe in Ferndorf, Dahlbruch und Erndtebrück sowie
die Wittgensteiner Forstwirtschaft bedient werden, lediglich Netznutzungsentgelte
in Höhe von rd. 40.000 EUR pro Jahr. Die geringen Entgelte
des Güterverkehrs würden bei weitem nicht ausreichen,
um die Vorhaltung der Strecke zu finanzieren. Gängige Praxis
der Deutschen Bahn ist es, Schienenstrecken, die täglich nur
von wenigen Güterzügen befahren werden, stillzulegen.
Insoweit sichert der SPNV zahlreichen Industriebetrieben im Ferndorftal
und Wittgenstein, aber auch in den Gemeinden Neunkirchen und Burbach
die Anbindung an das Schienennetz. Ohne die Nahverkehrszüge
auf der Oberen Lahntalbahn und der Rothaarbahn wäre der geplante
Gleisanschluss für das interkommunale Gewerbegebiet in Schameder
kaum machbar, so der VCD-Kreisvorsitzende Achim Walder, auch
die Einrichtung eines waldnahen Holzverladebahnhofs für die
Forstwirtschaft in Birkelbach könnte man dann vergessen.
Der VCD sieht in den regionalen Bahnlinien einen Standortfaktor
für die heimische Wirtschaft, dem nicht zuletzt angesichts
immer weiter steigender Kraftstoffkosten wachsende Bedeutung zukommen
wird. Der Veband appelliert deshalb an die Landtagsabgeordneten
aller Parteien, für eine dauerhafte Sicherung der Bahnlinien
in Siegerland und Wittgenstein Sorge zu tragen und an die politischen
Gremien in den Gemeinden, diese Zielsetzung z. B. durch Resolutionen
an die Landesregierung zu unterstützen.
Pressesprecher: Peter Ladda
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