Der Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) hielt kürzlich seine Jahreshauptversammlung ab. Nach der Erledigung der Regularien diskutierten die Mitglieder
aktuelle Themen des Verkehrs im südwestfälischen Raum. Im Mittelpunkt stand dabei die Notwendigkeit, angesichts der hohen Kraftstoffpreise auch im Kreis Siegen-Wittgenstein attraktive
Alternativen zum Straßengüterverkehr und zum motorisierten Individualverkehr zu entwickeln. Aktuellen Verlautbarungen der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge, ist mit einem
weiter steigenden Ölpreis zu rechnen; mittelfristig wird sogar eine Versorgungskrise nicht ausgeschlossen. Der Chefökonom der IEA brachte seine Besorgnis kürzlich in dem Satz „Wir
sollten das Öl verlassen, bevor das Öl uns verlässt“ zum Ausdruck. Der VCD geht deshalb davon aus, dass dem Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und dem Anschluss
von Industriebetrieben an das Schienennetz zukünftig wachsende Bedeutung zukommen wird. Positive Ansätze hierzu sieht der VCD in der fortschreitenden Modernisierung der Bahnhöfe
entlang der Ruhr-Sieg-Strecke, dem Bau der ÖPNV-Schnittstelle am Bahnhof Kreuztal sowie in der kürzlich erfolgten Fahrplanausweitung auf der Oberen Lahntalbahn. Der neue Gleisanschluss
der Krombacher Brauerei wird durch eine Verlagerung von Transporten auf die Schiene zu einer Begrenzung der Logistikkosten des Unternehmens beitragen. Investitionen in den ÖPNV und den Schienengüterverkehr
sind nach Auffassung des VCD auch der richtige Ansatz um die Straßen insbesondere im Raum Kreuztal/Siegen zu entlasten.
Um mehr Menschen die Nutzung der Bahn zu ermöglichen, schlägt der Verband die Reaktivierung und den Neubau von Haltepunkten vor. Allein im Stadtgebiet Kreuztal könnten vier zusätzliche
Halte eingerichtet werden: Buschhütten, Krombach, Littfeld-Süd und Kreuztal-Mitte. Die Rothaarbahn sollte zwischen Siegen und Hilchenbach im 30-Minuten-Takt verkehren. Von Buschhütten
aus wären dann die Zentren von Siegen und Kreuztal in 9 bzw. 5 Minuten zu erreichen. Kritisch bewertet der VCD die Pläne zum Bau der Kreuztaler Südumgehung und ihre Weiterführung
nach Wittgenstein. Während am Beginn der Straße eine begrenzte Entlastung in Ferndorf mit einer zusätzlichen Belastung der Menschen in Buschhütten erkauft würde, besteht
für die anschließende Strecke Richtung Erndtebrück kein Verkehrsbedürfnis. Angesichts steigender Kraftstoffpreise und rückläufiger Bevölkerungszahlen ist perspektivisch
ohnehin mit einer geringeren Auslastung des Straßennetzes zu rechnen. Der VCD fordert die politischen Entscheidungsträger deshalb auf, eine Umverteilung knapper Investitionsmittel zugunsten
des energieeffizienten Schienenverkehrs vorzunehmen.
Peter Ladda, VCD-Pressesprecher, Hilchenbach 26. Juli 2008
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