Ein Jahr Rothaar-Express und bis zu 30% mehr Fahrgäste

Nach fast einem Jahr Einsatz der neuen Triebwagen VT-628 haben die Mitglieder des VCD-Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein und Olpe Fahrgastzählungen und -befragungen durchgeführt. An einigen Haltepunkten haben bis zu 30 % mehr Fahrgäste den Zug benutzt. Besonders wurde von den Fahrgästen der im Mai 1994 eingeführte Stundentakt gelobt. Es gibt jetzt keine Fahrplanlücken an den Haltepunkten Hillnhütten, Vormwald-Dorf und Kredenbach mehr. Auch der zusätzliche Zugverkehr am Wochenende wird oft zu Ausflügen, auch mit dem Fahrrad, genutzt. Im neuen Triebwagen hat sich auch der Transport von Fahrrädern verbessert, denn es gibt extra Fahrradabteile. Der Preis für die Fahrradmitnahme wurde jedoch kritisiert. Hier sieht der VCD die Möglichkeit, daß der Kreis pauschal, wie in anderen Gebieten üblich, den Preis an die Bahn bezahlt.
Es gab jedoch auch massive Kritik an der Deutschen-Bahn AG. Die neuen Triebwagen bieten nicht so viel Platz wie die alten ‚Silberlinge‘. Besonders morgens müssen viele Fahrgäste im Stehen nach Siegen fahren. Viele Fahrgäste fordern die Abschaffung des Raucherabteils, denn dort sind immer noch Plätze frei, wenn im Nichtraucher die Fahrgäste stehen. Für morgens fordern die Rothaar-Express-Benutzer einen Halbstunden-Takt.
Weiter wurde bemängelt, daß der Schaffner fehlt. Fahrkarten müssen jetzt beim Triebwagenführer gelöst werden. Das führt jeden Morgen zu Verspätungen und die Anschlüsse in Siegen werden dann nicht mehr erreicht. „Warum gibt es keine Fahrkartenautomaten in den Zügen,“ fragten die Fahrgäste. Früher waren die Schaffner auch vielen älteren Menschen behilflich und standen für Auskünfte zur Verfügung.
Für die Abfahrzeiten wurde viele Vorschläge gemacht. Verkäuferinnen können in Siegen und Weidenau den Zug um 18 Uhr nicht erreichen, weil sie erst um 18 Uhr Geschäftsschluß haben und dann fast eine Stunde auf den nächsten Zug warten müssen. Auch Studenten erreichen den Zug zur vollen Stunde in Weidenau selten, weil die Busse zu lange von der UNI bis zum Bahnhof brauchen. Viele Äußerungen gingen auf die schlechte Abstimmung zwischen Bus und Bahn ein. Die Busanschlüsse in die Erlersiedlung in Kreuztal oder die Verbindung von Dahlbruch nach Müsen sind sehr schlecht. Hier müssen endlich die Politiker, die eine Verbesserung im ÖPNV vor der Wahl versprochen haben, aktiv werden. In Dahlbruch müssen die Fahrgäste erst einen längeren Fußweg in Kauf nehmen, um den Bus nach Müsen zu erreichen. Die Fahrpreise und der fehlende Tarifverbund waren bei allen Gesprächen ein wichtiges Thema. Die Fahrgäste verstehen nicht, warum sie immer noch zwei Fahrkarten für Bus und Bahn lösen müssen. Nur die Studenten können ohne Schwierigkeiten zwischen beiden Verkehrsmitteln des ÖPNV wechseln. Sie haben seit mehr als einem Jahr eine Verbundfahrkarte für Südwestfalen.
Der VCD-Kreisverband fordert, daß nach der Einführung des Rothaar-Expresses nun weitere Verbesserungen folgen. Er fordert eine neue Weichenstellung in der Verkehrspolitik des Kreises, z.B. die Beseitigung oder Sicherung aller Bahnübergänge zwischen Siegen und Bad-Berleburg, besonders in Erndtebrück, um die Fahrzeiten weiter zu verkürzen, bessere Abstimmung der Fahrpläne zwischen der VGWS und der Deutschen-Bahn AG, die Einrichtung von Fahrkartenautomaten in den Zügen, eine Fahrkarte für Bus und Bahn, Verbesserungen der Bahnhöfe, zum Beispiel mit Ruf- und Info-Säulen, damit Fahrgäste über Verspätungen und Betriebsstörungen unterrichtet werden können.
Der Erfolg des Rothaar-Express zeigt deutlich, daß eine Angebotverbesserung im Fahrplan und Fahrzeug, es werden kaum mehr Kilometer gefahren als früher, einen deutlichen Zuwachs an Fahrgästen erbringt. Es gibt keine schnellere Möglichkeit als mit der Bahn von Hilchenbach oder Kreuztal nach Siegen. Politikern, die immer von ‚Heißer Luft‘ im Zug von Siegen nach Bad-Berleburg sprechen, sei empfohlen, morgens den Zug um 6:30 oder 7:30 von Hilchenbach nach Siegen zu benutzen, denn über die HTS wird, bei einer durchschnittlichen Besetzungszahl von 1,2 Personen pro Auto mehr als 3/4 des Raums leer transportiert.

Moderne Triebwagen der Westerwaldbahn fahren nach Daaden

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Kursbuchstrecke 463 von Daaden im Schienenersatzverkehr bedient wurde: Heute morgen wird nach einer über zwölfmonatigen Streckensperrung der planmäßige Zugbetrieb auf der zehn Kilometer langen Daadetalbahn wieder aufgenommen.
Der für den Planeinsatz zwischen Betzdorf und Daaden vorgesehene moderne Triebwagen vom Typ VT 628 ist schon seit einigen Monaten auf der Hellertalbahn im Pendelverkehr zwischen Betzdorf und Neunkirchen eingesetzt worden: Nach den erneuten Inbetriebnahme der seit Oktober 1993 gesperrten Strecke nach Daaden werden auf der Bahn von Betzdorf nach Dillenburg wieder überwiegend Weiterlesen